"Doku-Live" für die Klassen 9 und 10

Erstellt von Stecher |

Am 18. Oktober 2018 konnten die Schüler der 9. und 10. Klasse einen Vortrag von Ingo Espenschied zum Thema „Das Europäische Parlament“ in der Halle 4 des Gymnasiums Weingarten mitverfolgen.

Doku-Live nennt Epenschied sein Vortragsformat, bei dem er seinen „Live“-Kommentar durch unterschiedliche Medien, die er auf mobile Kinoleinwände projiziert, ergänzt. Wie Herr Erdmann bei seiner Begrüßung betonte, ist das Wissen über die Arbeit des Europäischen Parlamentes in der Gesellschaft weit weniger ausgeprägt, als es bei den nationalen Parlamenten der Fall ist. Um dieses Wissen also zu vertiefen und auch aufgrund der Aktualität des Themas – denn am 26. Mai 2019 findet die nächste Wahl zum Europäischen Parlament statt – hat der Journalist Epenschied das Gymnasium Weingarten besucht.

Seinen Vortrag stellte er unter die Leitfrage, ob das Europäische Parlament ein gewichtiger Entscheidungsträger sei, der im Auftrag der europäischen Bürger handele oder nur eine Institution niederer Bedeutung. Letzteres würde die geringe Beteiligung bei der letzten Europawahl 2014 nahelegen, die europaweit bei nur 43,1 % lag. Als Journalist ging Espenschied dieser Frage vor Ort in Straßburg nach, wo das Parlament seinen Sitz hat. Dazu ermöglichte er den Schülern zuerst einen Einblick über Arbeitsbedingungen der aktuell 751 Abgeordneten des Parlaments, die aus 28 Nationen stammen. So erfuhren die Schüler, dass jeder Abgeordnete das Recht habe, in seiner Muttersprache vor dem Parlament zu sprechen. Außerdem gruppierten sich die Abgeordneten nicht national, sondern säßen im Plenarsaal nach ihrer politischen Überzeugung supranational geordnet zusammen. Nicht das Land werde von den Abgeordneten vertreten, sondern die europäischen Bürger.

Um die große Bedeutung dieser europäischen Sichtweise zu verdeutlichen, erhielten die Schüler als nächstes einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung eines europäischen Kontinents, auf dem Großmächte in gegenseitiger Konkurrenz ihre nationalen Interessen vertraten, auf dem Weg hin zur Zusammenarbeit in der heutigen Europäischen Union. Dabei wurde deutlich, dass es nur ein kleinschrittiger Weg sein konnte, der das Europäische Parlament nach und nach zu seinen heutigen Kompetenzen führte. Angefangen hat die Zusammenarbeit 1951 mit der Montanunion, die erste aus sechs Staaten bestehende supranationale europäische Organisation mit eigenen Souveränitätsrechten. Um diesen Machtbereich zu kontrollieren, entstanden die Vorläufer der heutigen europäischen Institutionen: der Ministerrat, die Hohe Behörde und die gemeinsame Versammlung, die der demokratischen Legitimation der Behörde diente. Heute sind dies der Ministerrat, das Europäisches Parlament und die Europäische Kommission.

Espenschied sieht darin insofern einen gewichtigen Entscheidungsträger, da er für die Rechte aller europäischen Bürger kämpft, wie man zum Beispiel an der Abschaffung der Roaming-Gebühren oder der Abweisung des multilateralen Handelsabkommens ACTA,  das u. a. wegen der Aushebelung der Menschenrechte und des Rechtsstaates in der Kritik stand, sehen kann.

Zum Abschluss betonte der Journalist, dass Deutschland und seine Bürger in der globalisierten Welt zukünftig nur eingebunden in ein starkes Europa sich behaupten und prosperieren könnten. Den Schülern wurde also ein anspruchsvoller Vortrag, reich an Informationen anschaulich dargeboten. Gerade für die 9.-Klässler stellte dies den ersten vertieften Kontakt mit dem Thema Europäische Union dar. Auch wenn dabei bestimmt nicht alle Details auf Anhieb verständlich waren, stellte der Vortrag für sie einen interessanten Einstieg und Überblick in das Thema für dessen künftige Behandlung im Gemeinschaftskundeunterricht dar.

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