Irene Abiti aus Ghana bei der Kursstufe I am Gymnasium Weingarten zu Gast

Erstellt von Kliebhan |

Im Rahmen der internationalen Wochen gegen Rassismus fanden bei uns am Gymnasium Weingarten einige interessante Workshops statt. Am Montag war Frau Irene Abiti aus Ghana bei der Kursstufe I am Gymnasium Weingarten zu Gast.

Irene Abiti ist die Frau von Johannes Krug, einem ehemaligen Schüler des Gymnasiums, der sie in einem Auslandsjahr in der Region Volta in Ghana kennen lernte. Irene Abiti zog anschließend mit ihm nach Deutschland, um ihren Master zu machen und arbeitet nun u.a. für die Organisation Bildung trifft Entwicklung. Sie besucht Schulen, um mit den Schülern über Ihr Heimatland Ghana zu sprechen und ihnen die ghanaische Kultur und Geschichte näher zu bringen.

Unsere Kursstufe betrachtete mit Hilfe von Frau Abiti die Kolonialgeschichte Ghanas bzw. ihrer  Herkunftsregion, der Region Volta. Volta wurde nämlich im Gegensatz zum Rest von Ghana nicht von den Briten, sondern von den Deutschen kolonialisiert und gehörte zur deutschen Kolonie Togo. Irene zeigte uns mit verschiedenen Bildern und einem von Johannes Krug gedrehten Video, was die deutschen Kolonialherren an Architektur hinterlassen hatten und wie diese Gebäude heute als Schulen, Krankenhäuser usw. benutzt werden. Aber nicht nur die Architektur blieb von den Deutschen erhalten, so hört man wohl bis heute noch deutsche Namen auf den Straßen, wie z.B. Irene, ihr eigener Name oder - zu unser aller Erstaunen – Bismarck. Die Erinnerungen der heutigen Ghanaer an die deutsche Kolonialgeschichte schienen selbst den SchülerInnnen fast schon ein bisschen verklärt.

Diese scheinen sich allerdings zu Recht eher Sorgen um die gegenwärtige Entwicklung in Ghana bzw. in Afrika zu machen. Dort kaufen sich Regierungen und Konzerne aus den Industrienationen ein, um die dortigen Ressourcen weiter auszubeuten und das Land anschließend mit seinen verheerenden Folgen alleine zu lassen. Die ökologischen Auswirkungen des sogenannten „land grabbing“ konnte Irene beispielhaft an der enormen Wasserverschmutzung eines Flusses in der Region Volta darstellen, aus dem - in diesem Fall - chinesische Investoren Gold schöpfen lassen.

Die Verbindung zwischen historischen Kolonialismus und Neokolonialismus war für uns ziemlich eindrücklich und machte deutlich, wie wenig wir über Afrika, speziell die Voltaregion wissen, obwohl die hiesige Bevölkerung seit der Kolonialzeit in ständigem Einfluss auch unserer deutschen Geschichte lebt und weiterhin dazu genötigt wird, sich den Handelsstrukturen der Industrienationen anzupassen und damit abhängig von den Industrieländern bleibt. Unsere eigene historische und gegenwärtige Verantwortung für diese Situation in Afrika lässt sich somit nicht leugnen und fordert jeden von uns auf, unsere eigene Konsum- und Lebensgewohnheiten zu überdenken.

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