Seit dem Schuljahr 2014/15 findet an unserem Gymnasium ein achtwöchiger Schüleraustausch mit Buenos Aires, Argentinien statt. Dieser Austausch ist eine echte Chance für die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse. Zunächst kommen die argentinischen Austauschschüler Ende November nach Deutschland und leben für acht Wochen bei ihren Austauschfamilien, nehmen am Schulalltag teil, machen verschiedene Ausflüge, zum Beispiel nach Berlin und lernen das schöne Oberschwaben kennen. Im Sommer des folgenden Jahres ist es dann für unsere Schüler soweit. Die Koffer werden gepackt für acht Wochen Südamerika. Das bedeutet eine lange Flugreise inklusive vier Stunden Zeitverschiebung und einen Jahreszeitenwechsel, denn wenn es bei uns sommerlich warm ist, ist es in Buenos Aires gerade Winter, also zwischen 10 und 20 Grad. Auch unsere Schüler dürfen das ganz normale Leben in argentinischen Familien und das Schulleben kennenlernen. Eine einwöchige Reise zu den gigantischen Wasserfällen in Iguazú ist für die meisten der Höhepunkt der Reise, ein unvergessliches Erlebnis. Nach dem Austausch stellen die Schüler fest, dass sich ihre Sprachkenntnisse erheblich verbessert haben, sie sprechen jetzt sogar den argentinischen Slang. Außerdem macht sie ein solches Abenteuer selbstständiger, selbstbewusster, offener und eröffnet die Möglichkeit wirklich wertvolle Freundschaften zu knüpfen. Wir freuen uns sehr unseren Schülern diese einzigartige Möglichkeit bieten zu können und hoffen, dieses Austauschprojekt auch in Zukunft weiter ausbauen zu können.

(Mary Gerstenberg)

Austauschbericht 2018/19

Landeskunde aus dem Leben, nicht aus dem Lehrbuch

Sechs Austauschschüler aus Argentinien waren zwei Monate am Gymnasium Weingarten zu Gast. In der Zeit haben sie auch etwas Schwäbisch gelernt. Ihr Lieblingswort: Glotzböbbel.

Der Argentinien-Austausch des Gymnasiums Weingarten hat mittlerweile Tradition. Im Juni fliegen hiesige Gymnasiasten nach Buenos Aires, um dort zwei Monate lang ihr Spanisch aufzupolieren – und um die argentinische Kultur kennen zu lernen. Umgekehrt waren bis vor kurzem vier Argentinierinnen und zwei Argentinier in Weingarten. Sie stammen aus der Provinz Buenos Aires und haben zum ersten Mal Weihnachten im Winter verbracht – denn in Argentinien ist zurzeit Hochsommer. Entsprechend begeistert waren die Austauschschüler, mit ihren neu gewonnenen Freunden in Weingarten Schneemänner zu bauen und sich gemeinsam Schneeballschlachten zu liefern.

Typisch schwäbisch? Maultaschen, Kässpätzle und Vesper

Zum interkulturellen Lernen gehört das Lernen von- und miteinander. Die argentinischen Schüler waren etwa gefragt, typisch deutsche Wörter zu sammeln – und überraschten mit dem Wort „Matratze“. Warum halten sie ausgerechnet das Wort „Matratze“ für typisch deutsch? „Weil es sehr hart klingt, die deutsche Sprache hat etwas Hartes“, gaben die Argentinier als Antwort.

Freude hatten sie besonders mit schwäbischen Wörtern wie Glotzböbbel („viel witziger als Augen“) oder mit Maultaschen, Kässpätzle oder Vesper. Überhaupt waren die Argentinier von der schwäbischen Küche sehr angetan, mit der sie in den Gastfamilien verwöhnt wurden. Am Gymnasium Weingarten revanchierten sie sich und zeigten, wie man die Teigtaschen Empanadas oder das Süßgebäck Alfajores zubereitet.

Klimawandel und Wirtschaftskrise

Das Gymnasium Weingarten organisierte unter anderem einen Ausflug nach Ulm. Dort stand nicht nur der höchste Kirchturm der Welt auf dem Programm, sondern auch der Besuch der Kunsthalle Weishaupt. Dort ist zurzeit die Ausstellung „Ausgang offen“ zu sehen – ein Titel, der die deutschen und argentinischen Schüler zum Nachdenken anregte. „Wie geht es mit unserer Welt weiter?“, fragten die Schüler, und nannten als Beispiele für „Ausgang offen“ den Klimawandel, aber auch die aktuelle Wirtschaftskrise in Argentinien.

In einem Stadtspiel waren die Jugendlichen eingeladen, nach typisch deutschen Outfits zu suchen und so Klischees zu reflektieren – schließlich tragen nicht alle Deutschen ständig Dirndl oder Fußballtrikots. Im Weltladen recherchierten sie, welche Produkte aus Argentinien fair gehandelt in Deutschland zu kaufen sind. Und natürlich versuchten sich die Argentinier am Zungenbrecher „In Ulm und um Ulm und um Ulm herum“.

Argentinier schätzen die Freiheit

Fragte man die Schülerinnen und Schüler aus Argentinien nach den größten Unterschieden zwischen dem Schulalltag in Weingarten und in ihrer Heimat Buenos Aires, fiel oft das Wort Freiheit. Mit ihren Weingärtler Klassenkameraden verbrachten sie so manche Mittagspause in der Innenstadt – in Argentinien hingegen müssen sie jeden Tag bis 15.50 Uhr auf dem Schulgelände verbringen. Das Schulareal ist aus Sicherheitsgründen umzäunt und darf nicht verlassen werden.

„Die Freiheit in Weingarten genießen wir sehr“, war von argentinischer Seite öfter zu hören. Doch nicht alles in Weingarten leuchtete den Latinos ein: Den hiesigen Unterricht empfanden sie zum Teil als streng – zum Beispiel, weil keine Handys erlaubt sind.

Freundschaften über den Austausch hinaus

Was das Gymnasium Weingarten besonders freut, ist die Horizonterweiterung: Die Schüler lernen Landeskunde nicht abstrakt aus dem Lehrbuch, sondern im Dialog mit Gleichaltrigen und mit den Gastfamilien. Das fördert auch die Sprachkompetenz: Das Deutsch der Argentinier hat in den zwei Monaten rasante Fortschritte gemacht – und auch die Weingärtler haben ihren spanischen Wortschatz erweitert.

Die Freundschaften halten oft über den Schüleraustausch hinaus – soziale Medien machen die Kommunikation über den Globus hinweg einfach möglich. Und manche werden während des Schüleraustauschs zu den größten Weingarten-Fans: Eine Argentinierin, die vor zwei Jahren am Austausch teilgenommen hat, studiert ab Oktober Grundschullehramt an der PH Weingarten.

(Verena Rauch)

Austauschbericht 2017/18

Alemania und Argentina: Ein Wintermärchen

Über 11.000 Kilometer trennen Weingarten und Buenos Aires. Doch zwei Monate lang rückten die Städte eng zusammen, denn sechs argentinische GastschülerInnen sorgten für unvergessliche Momente. „Zwei Monate, fünf Familien, eine Stadt, zwei Kontinente“ lautete das Fazit der ArgentinierInnen zum Abschied – verbunden mit der Aufforderung: „Ihr müsst uns alle unbedingt besuchen kommen.“

Die WeingärtlerInnen werden nicht lange auf sich warten lassen. Der Gegenbesuch der 10. KlässerInnen ist für Juli und August geplant, wenn in Buenos Aires ebenfalls Winter ist. In Argentinien dürfte allerdings der Schnee fehlen. Umso größer war die Freude für die Latinos, dass Weingarten sich als schönes Wintermärchen mit Schneeballschlachten und Rutschpartien entpuppte. Und gerade die Advents- und Weihnachtszeit ermöglichte es, den argentinischen SchülerInnen Einblicke in unbekanntes Brauchtum zu geben.

Während sich manche deutsche Gastfamilie schon Gedanken darüber machte, ob den ArgentinierInnen noch ein Verwandtschaftsbesuch an den Weihnachtstagen zumutbar sei, empfanden die Gäste gerade diese Momente als besondere Gesten der Wertschätzung und fühlten sich als Teil ihrer neuen deutschen Familie.

Natürlich waren die zwei Monate nicht nur von einem intensiven Freizeitprogramm geprägt.

Die Besucher vom anderen Ende der Welt waren eine Bereicherung für den Schulalltag. Landeskunde lief nicht nach Lehrbuch, sondern das pralle Leben diktierte die Stunde: der Wachmacher-Tee Mate, Poncho, Fußball-Star Messi, das zarte Asado (Grillfleisch), die zuckersüßen Alfajores (Gebäck) oder die Weite der argentinischen Pampa.

Argentinien hat viele Facetten, die uns die jungen BotschafterInnen ihres Landes authentisch vermittelten, weit über die genannten Stereotypen hinaus.

Zum Programm gehörten auch Filmnachmittage, Bowlen, gemeinsames Essen in der Mensa und verschiedene Präsentationen. Darin wurden etwa Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Deutschland und Argentinien beleuchtet, SchülerInnen stellten ihre Lieblingsworte szenisch dar und entwickelten Fotostorys.

Natürlich durften passend zum lateinamerikanischen Temperament Lieder und Tänze nicht fehlen. Und es gab auch ein bisschen Herzschmerz. Aus sprachdidaktischer Sicht ist das sehr zu begrüßen, schließlich macht man so unkompliziert große Fortschritte in Sachen Fremdsprachenerwerb. Das fängt bei „Ich vermisse dich“ auf Spanisch an und hört bei „Warum habe ich dich gestern nicht erreicht?“ auf.

Auch wenn der Unterricht durch die Anwesenheit der ArgentinierInnen sehr lebhaft war, dürften davon alle profitiert haben. Der Blick über den Tellerrand macht weltoffener und bereichert!

Nach den gemachten Erfahrungen befragt sind sich alle Beteiligten einig: Es sind nicht nur die erweiterten Deutschkenntnisse, die Einblicke in das europäische Lebensgefühl, die Ausflüge und viele Shopping-Möglichkeiten, sondern das größte Glück war, betonten sie, dass sie sich so gut mit ihren Gastfamilien und AustauschpartnerInnen verstanden haben. „Wir haben ein zweites Zuhause, eine zweite Familie gefunden“, hieß es immer wieder – und es klang aus vollem Herzen und nicht als Höflichkeitsfloskel.

Dementsprechend emotional und traurig fiel der Abschied aus. Die Abschiedspräsentation sprach Bände. Ein Countdown soll den Abschiedsschmerz etwas lindern. „Wir sehen uns in 141 Tagen wieder“, hieß es zum Abschied. Mittlerweile sind es viel weniger Tage.

In den Startlöchern und voller Begeisterung für den Argentinienaustausch sind bereits auch schon die SchülerInnen der Klasse 8, die die Anwesenheit der argentinischen Gäste besonders genossen und genutzt haben, nicht nur in sprachlicher, sondern auch in tänzerischer Hinsicht.

Herzlichen Dank allen Gastfamilien für ihre warmherzige Aufnahme der SchülerInnen – und das schöne Wintermärchen, das sie ermöglicht haben!

¡Viva el Instituto Ballester! ¡Viva el Gymnasium Weingarten! ¡Qué vivan!

(Verena Rauch)

Austauschbericht 2016/17

Am Donnerstag, dem 30. Juni 2016, ging für vier Schülerinnen der 10. Klasse im Rahmen eines Schüleraustausches die Reise nach Argentinien los. Insgesamt verbrachten wir 2 Monate in Buenos Aires, der Hauptstadt des Landes. Dort wohnten wir in den Familien unserer Austauschschüler, die uns ein halbes Jahr zuvor schon in Deutschland besucht hatten. Wir besuchten dort die Deutsche Schule „Instituto Ballester“ wo zur selben Zeit ungefähr 35 Austauschschüler aus ganz Deutschland zur Schule gingen. Direkt in unserer ersten Woche war der Unabhängigkeitstag von Argentinien, der „Nueve de Julio“ (9. Juli), was für uns alle ein eindrückliches Ereignis war. Im Anschluss daran hatten alle 3 Wochen Winterferien. Für die Ferien hat sich jede Familie etwas Besonderes für ihren Deutschen Gast ausgedacht: Einige besuchten das Argentinische Meer, manche verreisten nach Uruguay, andere flogen in den Norden zu den Anden und wieder andere gingen in den Süden zum Schnee. Jeder durfte etwas ganz besonderes mit seiner Gastfamilie erleben. Nach diesen drei Wochen fing für unsere Austauschschüler das zweite Trimester an, aber wir waren mit unserer argentinischen Entdeckungsreise noch nicht fertig. Für die erste Woche nach den Winterferien stand eine Reise zu den „Cataratas del Iguazu“ für alle deutschen Austauschschüler an. Dort durften wir die wahrscheinlich schönste Seite Argentiniens kennenlernen. Und schon beim ersten Blick auf dieses atemberaubende Naturschauspiel konnten alle verstehen warum die Wasserfälle eines der „7 Weltwunder der Natur“ sind. Außerdem konnten wir dort die anderen deutschen Austauschschüler kennen lernen und fanden mit ihnen neue Freunde. Nach diesem eindrücklichen Erlebnis fuhren wir mit dem Bus wieder zurück zu unseren Austauschschülern, die schon auf uns warteten. Unsere letzten drei Wochen besuchten wir wieder die Schule, die ganz anders war, als wir es von Deutschland kannten. Jeder Schultag ging von 8:00 bis 16:00 Uhr und in dieser Zeit darf man, auch in der Mittagspause, das Schulgelände nicht verlassen. An den Wochenenden durften wir viel von der Hauptstadt selbst sehen wie zum Beispiel das „Theatro Colón“, den „Río de la Plata“, viele verschiedene Shoppingcenter und noch vieles mehr. Nach insgesamt 8 Wochen war unsere Zeit in Argentinien auch schon wieder vorbei. Schon am Tag vor unserem Flug hatten wir uns schweren Herzens von unseren neuen Freunden aus Argentinien und Deutschland verabschiedet. Am Flughafen war der Abschied für alle beteiligten sehr schwer, denn nicht nur unsere Austauschschüler, sondern auch ihre Familien sind ein Stück weit zu unserer geworden. Nach vielen Umarmungen und noch viel mehr Tränen traten wir unsere 13-stündige Heimreise an.

Obwohl der Abschied keinem leicht fiel war allen klar: Das war kein „Adiós“, es war ein „Hasta pronto“!

(Lea Moosmaier)